Nachdem ich im teuren Queenstown genug Geld ausgegeben hatte, machte ich mich mit dem InterCity Bus auf den Weg nach Dunedin, die Stadt, die auf meiner Reise durch Neuseeland vermutlich am weitesten entfernt von meinem Heimatort Lenhausen liegt.

Ich hatte definitiv einen guten Zeitpunkt erwischt,  Queenstown zu verlassen. Nachdem die letzten Tage bestes Frühlingswetter war, meldeten die Medien für die kommenden Tage Regen und Schnee. Es gab sogar zwei Gründe, warum es gut war abzureisen. Der erste Grund lag auf der Hand:  Wer reist schon nach Neuseeland, um hier das deutsche oder typisch sauerländische Wetter zu haben? Der zweite Grund war: Wenn es im Tal regnet,  gibt es Powder auf dem Berg. Wäre ich in Queenstown geblieben, hätte ich in den nächsten Tagen bestimmt noch einmal mit dem Gedanken gespielt, erneut Skifahren zu gehen und noch mehr Geld auszugeben. 😀

Wer Geld ausgibt, muss auch irgendwann mal etwas verdienen und auch aus diesem Grund machte ich mich auf den Weg nach Dunedin. Ich hatte mich in der Nähe von Dunedin für eine Bike Mechaniker Stelle beworben. Für eben diesen Job würde  ich am Sonntag vom Besitzer des Bikeverleihs „Cycle Surgery“ abgeholt werden, um erstens mir einen Eindruck zu verschaffen und zweitens um selbst dort einen guten Eindruck zu hinterlassen. Aber bis dahin hatte ich noch ein paar Tage Zeit um mir Dunedin anzuschauen.

Nachdem ich nach gut 4 Stunden Busfahrt durch die Einöde Neuseelands in Dunedin angekommen war, gönnte ich mir erstmal was richtig Gutes: ein leckeres Krombacher Weizen! Dieses habe ich  im hosteleigenen Jacuzzi genossen. Mann,  was geht es mir gut. 😀 Anschließend gab es dann wieder neuseeländisches Bier, welches ich mit einem Deutschen zusammen getrunken habe.  Das Wetter war in Dunedin deutlich besser als das Wetter in Queenstown, so konnte ich jeden Morgen in der Morgensonne frühstücken.

Um nicht nur Bier trinkend im Jacuzzi zu sitzen, machte ich mich auf den Weg zur Baldwin Street. Laut Guinness World Records ist die Baldwin Street die steilste Straße auf unserem Planeten. Die Straße ist ca. 35% steil. Neben der Straße befindet sich statt des üblichen Bürgersteigs eine Treppe um nach oben zu gelangen. Als ich oben angekommen war, brannten mir schon ordentlich die Waden. Aber ich bin die steilste Straße der Welt hoch gegangen. 😀

Als ich mich von der Baldwin Street erholt hatte, lernte ich im Hostel Matthias und Saskia aus Reutlingen kennen. Von Ihnen bekam ich (wieder im schönen Jacuzzi) nochmals viele Insider Tipps, z. B. wo die besten Landschaften und Strände in NZ zu finden sind.

Um nicht ganz einzurosten ging ich auch mal wieder laufen. Das Ziel war klar: den Pazifik aus der Nähe sehen. Also machte ich mich auf den Weg zum 5 Kilometer entfernten St. Kilda Beach in Dunedin. Die Strecke bis zum Strand war leider nicht so prickelnd, da der größte Teil durch das Industriegebiet Dunedin’s führte. Aber der Strand war sehr schön. Es war mega windig und die Wellen brandeten ordentlich gegen den Strand. Eigentlich gute Bedingungen für hartgesottene Surfer, die in die kalten Pazifik-Fluten springen wollen. Anscheinend war es aber auch den Kiwis noch zu kalt.  Zurück ging es über die Düne wieder ins Hostel, wo ein warmer, schon fast zu heißer, Jacuzzi auf mich wartete.

Nach einem „Ruhetag“ machte ich mich nochmals auf den Weg zur Baldwin Street, nur dieses mal im Laufschritt. Nach 5 km durch Dunedin’s Norden stand dann die Wand vor mir. Ich hatte mir vorgenommen, die kompletten 300 Meter hoch zu laufen, also ordentlich Mucke auf die Ohren und ab ging es. Kurz vor dem Ziel war ich schon ziemlich am Anschlag. Ganz kurz kam mir der Gedanke aufzugeben, doch dann feuerten mich plötzlich ein paar wildfremde Leute an. Tatsächlich, jetzt kann ich auch von mir behaupten, dass ich die steilste Straße der Welt hoch gejoggt bin. Aber auf dem 5 km langen Rückweg merkte ich schnell, dass mein Körper solch kraftraubende Minuten noch nicht wieder so schnell wegstecken kann. Deshalb wird in den nächsten Wochen weiter trainiert.

Das war das erste Kapitel von Dunedin, die Tage, an denen ich auf meine Abholung nach Middlemarch wartete. Am Tag meiner „Baldwin Street- Erzwingung“ wurde ich von Dave, dem Besitzer von Cycle Surgery, abgeholt, um die nächsten Tage in Middlemarch zu verbringen. Nach 2 sehr netten Tagen mit Kost und Logis bei der Familie Thompson bin ich nun wieder in Dunedin und warte auf die Zusage aus Middlemarch, um dort bis zum Ende des Jahres als Bike Mechanic zu arbeiten. Drückt mir die Daumen, dass es klappt.

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