Wie verbringt ein Backpacker die Feiertage am Ende eines Jahres?

Vor Weihnachten galt es, die letzten Kröten für das Reisen zu verdienen. Eigentlich dachte ich, dass ich zwischen den Feiertagen auch arbeiten könnte, aber dem war leider nicht so. Nachdem mir am Mittwoch morgen gesagt wurde, dass es für mich keine Arbeit mehr gibt, entschloss ich mich, schleunigst mit dem Reisen zu beginnen. Aus diesem Grund brach ich mit meinem argentinischen Kollegen Agustin am Donnerstag auf, um den Norden der Südinsel zu erkunden.

Aber erstmal beantworte ich die Frage, wie ich „Weihnachten“ verbracht habe. Wir, ca. 15 Leute aus dem Hostel, brachen am 24. auf, um Weihnachten am Strand zu verbringen. Das Zelt, genug Bier und Essen waren natürlich auch eingepackt. Wir fanden einen sehr schönen kostenlosen Campingplatz, der auch noch perfekt an einer Bucht gelegen war. Nachdem wir das Camp aufgebaut hatten, brauchten wir bei 30 Grad erstmal eine Abkühlung. Also sprangen wir in die kalte Cook Street. Der Heilige Abend wurde mit Fußball, Frisbee und einigen Bier am Strand gefeiert. Nach einer kurzen Nacht im Zelt ging es gegen Mittag schon wieder ins Hostel, um noch frohe Weihnachtswünsche nach Deutschland zu schicken. ABER: Es hat sich leider nicht nach Weihnachten angefühlt. Wahrscheinlich lag es daran, dass in Neuseeland gerade Sommer ist und Weihnachten hat bekanntlich was mit Familie zu tun. Ich bin froh, nächstes Weihnachten wieder im Sauerländer „Sabbelwetter“ zu verbringen.

Wie schon beschrieben, ging für mich zwischen den Feiertagen das Reisen endlich wieder los! Nach 3 Monaten in Blenheim stand der Norden der Südinsel auf dem Programm. Agustin und ich starteten unseren kleinen Trip mit meinem Auto im Marlborough Sound. In den verschiedenen Sounds verbrachten wir 3 Nächte. Wir versuchten unser Glück mal wieder am Mt. Stokes. Wir waren vor ca. 2 Monaten schon mal hier, konnten aber am Gipfel aufgrund der Wolken leider nichts sehen. Doch dieses Mal sah es am Morgen deutlich besser aus. Nach 1 1/2 Stunden Aufstieg hatten wir beide ein Déja Vue. Der Gipfel des Mt. Stokes lag mal wieder in Wolken. So mussten wir wieder ein bisschen enttäuscht absteigen. Auf dem Weg zum nächsten Campingplatz gab es aber Entschädigung. Die Sonne strahlte wieder vom Himmel und es boten uns wunderbare Ausblicke auf die Sounds zwischen Picton und Nelson. Selbst der kostenlose Campingplatz war schön gelegen. Wir standen direkt oberhalb von einem glasklaren Fluss. Am nächsten Morgen brachen wir auf, um an den entlegensten Ort der Sounds zu fahren. Das Ziel war das kleine Fischerörtchen French Pass. Allein  der Fahrt wegen lohnt sich der weite Weg schon dort hin. Die Straße  schlängelt sich auf einer Höhe von 300 Metern durch die Fjordlandschaft. Teilweise hatten wir Ausblicke, so dass wir links und rechts die Fjorde begutachten konnten. Die letzten 20 km führten über eine Gravelroad, die mich stark an eine Almstraße in Österreich oder Südtirol erinnert. Rundum grasten Kühe und Schafe. Nachdem wir die Sonne und den schönen Strand genossen hatten, fuhren wir wieder auf denselben kostenlosen Campingplatz zurück. Und dann war auch schon New Year`s Eve! Um das alte Jahr gebührend zu feiern und um als einer der ersten der Welt das neue zu begrüßen fuhren wir  nach Nelson.

In Nelson trafen wir uns noch mit einigen Bekannten aus Blenheim. Vor dem Dom von Nelson spielten am Abend einige Bands. Die Coverbands spielten hauptsächlich Hits aus den 80ern und 90ern. Um 0.00 spielte die Band einen sehr unerwarteten Song für mich. Das erste Lied im neuen Jahr war Nena mit 99 Luftballons und das 18.000 km entfernt von Deutschland. Nachdem die Party am Domplatz beendet war, verlagerten wir die Party in einen Club. Dort feierten wir noch bis früh in die Morgen-Stunden.

Silvester kann ich mir auf jeden Fall öfter und besser in kurzer Hose vorstellen als Weihnachten.

In den nächsten beiden Tagen war erstmal Erholung angesagt, bevor es in den Nordwesten der Südinsel ging. In Takaka, der größten Stadt nördlich des Abel Tasman Nationalparks, habe ich spontan im Lonely Planet entdeckt, dass sich direkt um die Ecke die größte Quelle Ozeaniens befindet. Aus der Quelle „sprudeln“ pro Sekunde 10.000 l Wasser. Aus dem Nichts entsteht ein großer Fluss. Das Wasser, welches aus dem Erdreich Neuseelands kommt,  ist so klar, dass man 60 Meter tief schauen kann (bei destilliertem Wasser 80 m). Deshalb schimmerten die blauen Steine unter Wasser besonders blau. Das Tauchen oder Berühren des Wassers ist verboten, da es für die Maoris heilig ist. Auch in Takaka habe ich durch die App CamperMate wieder einen kostenlosen Campingplatz entdeckt. Auch dieser war an einem Fluss gelegen. Die Abendsonne machte es möglich,  noch eine Abkühlung im Fluss zu genießen! Leider war das Wetter am nächsten Tag nicht mehr so schön wie noch den Abend zuvor. An dem bisher wettertechnisch schlechtesten Tag stand der hohe Norden der Südinsel auf dem Programm. Das Ziel war Wharariki Beachh und das Cape Farewell. Der Wharariki Beach gehört durch die Felsformationen vor der Küste zu den meist fotografiertesten Landschaften Neuseelands. Nachdem auch wir einige Fotos gemacht hatten,  fuhren wir ca. 5 Minuten zum Cape Farewell. Laut DOC ist dies der nördlichste Punkt des Festlandes der Südinsel. An diesem Cape ist die Tasman See sehr wild. Aufgrund der Steilküste konnte ich zum allerersten Mal Seerobben in freier Wildbahn beobachten. Nicht nur das Meer war wild, sondern auch das Wetter, es regnete so ziemlich die ganze Zeit durch und deshalb waren wir auch froh, als wir wieder auf dem Campingplatz waren. Dort war es für einige Stunden trocken und wir konnten unsere Klamotten wieder trocknen. Allerdings kam gegen 6 ein Ranger auf den Campingplatz und teilte jedem mit, dass der Fluss in der kommenden Nacht eventuell über die Ufer treten kann. Für die Nacht würde Starkregen gemeldet. Für dieses Nacht war es aber erlaubt in der Stadt von Takaka zu stehen.  (Dies ist normalerweise nur richtigen Camper Vans gestattet). Und so kam es auch, es fing um 7 Uhr an zu regnen und es regnete die ganze Nacht durch. Zum Glück waren wir mit dem Auto früh genug in die Stadt umgezogen.

In den nächsten 3 Tagen steht für Agustin, Gabriel, Matthis und mich der erste Great Walk auf dem Programm. Das Ziel ist der Abel Tasman National Park!In einigen Tagen mehr davon.

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