West Coast und mein zweiter Great Walk

In den letzten Tagen habe ich meinen zweiten Great Walk absolviert. Und wahrscheinlich den, den die wenigsten laufen. Der Raikiura Track befindet sich auf Stewart Island, dies ist die größte Insel nach der Nord- und Südinsel. Aber bevor ich den äußersten Süden Neuseelands erreicht hatte, habe ich auch sehr viel erlebt.

Nachdem ich Nelson verlassen habe, bin ich auf schnellstem Wege an die West Coast gefahren. Die West Coast ist besonders für den vielen Regen und die Gletscher bekannt. Direkt an meinem ersten Tag an  der West Coast hat mich der Regen auch schon voll erwischt. Beim Laufen entlang der Tasman See bin ich zum ersten Mal richtig nass geworden. Das zweite Mal wurde ich  nass am Lake Brunner, in der Nähe von Greymouth, wo ich eine Wanderung gemacht hatte. Die Wanderung habe ich dann kurz vor dem Gipfel abgebrochen, da am Gipfel sowieso keine Sicht und der Abstieg über die rutschigen Wurzeln eh schon sehr gefährlich war. Bei einem „Wurzelteppich“ war ich froh, dass ich Skifahren gelernt habe. Ich bin ausgerutscht, konnte aber das Gleichgewicht halten und bin so sehr unkontrolliert 2 bis 3 Meter den Berg runter gerutscht. Im Tal angekommen zog das neuseeländische Wetter wieder alle Register. Die Wanderung hatte ich wegen Regen abgebrochen und im Tal angekommen schien die Sonne wieder. Aufgrund dieses Umstandes entschied ich mich zum Arthur´s Pass zu fahren. Der Pass verbindet West- und Ostküste und führt direkt durch die neuseeländischen Alpen. Weiterhin führt eine der berühmtesten Eisenbahnen über den Pass, die Tranz Alpin . Ich bin den 200 km Umweg gefahren, um den Avalanche Peak zu besteigen. Am nächsten Morgen hat es noch geregnet, aber es wurde eigentlich gutes Wetter gemeldet. So entschied ich mich auch bei Regen den Einstieg zu wagen. Und der „Mut“ und die Anstrengungen wurden am Gipfel belohnt. Oben angekommen zog der Himmel immer mehr auf und ich hatte einen sagenhaften Blick in die Southern Alps. Den Gipfel hatte ich ganz für mich alleine, außer 2 Keas, die auf mein Essen aus waren. Von hier oben konnte ich auch schon die ersten Gletscher sehen. Die berühmtesten und größten, Franz-Josef und Fox Glacier waren mein nächstes Ziel. Leider hatte ich beim Besuch der Gletscher wieder Pech mit dem Wetter. Die Wolken hingen tief und so konnte ich nur einen kleinen Teil der Gletscher Zunge sehen. Aber trotz allem sind die Gletscher sehr imposant. Es sind weltweit die Gletscher, die am nächsten am Meer liegen. Mir persönlich hat der Foxglacier besser gefallen, weil man näher zu der Zunge hin kommt und dort  weniger Touristen herumlaufen. Nach den Gletschern verließ ich die regnerische West Coast, um in Wanaka wieder den neuseeländischen Sommer zu genießen.

In Wanaka habe ich mich mit meinem Roommate aus Blenheim wieder getroffen. Mit Flo und seiner Bekannten habe ich 2 Tage in Wanaka verbracht. In Wanaka gönnte ich mir auch mal wieder ein Hostel, um  Wäsche zu waschen und weitere organisatorische Dinge zu klären. Wer in Wanaka ist, der muss 2 Dinge tun, zum einen den wohl berühmtesten Baum Neuseelands besuchen und den Roys Peak besteigen. Um den Wanaka Tree zu erreichen, war nicht viel zu leisten, denn der Baum wächst direkt aus dem Wanaka Lake. Aber um auf den Hausberg Wanakas zu gelangen, stehen 8 km und 1.100 hm vor einem. Also machte ich mich mit Flo und Luisa auf den Weg, den Berg zu erklimmen. Derbreite Wanderweg windet sich in Serpentinen den Berg hinauf. Wie schon beim Avalanche Peak haben sich die Anstrengungen aber sehr gelohnt. Von dort oben hat man einen wunderschönen 360 Grad Blick. Auf der einen Seite sieht man die Gletscher des Mt. Aspiring Nationalpark und auf der anderen Seite sieht man das sehr schöne Städtchen Wanaka von oben. Wir verbrachten bestimmt eine Stunde am Gipfel, um die Landschaft zu genießen und ein paar Fotos zu schießen. Um den schönen Tag ausklingen zu lassen, machten wir in Wanaka einen guten Apres Hike. Dann hieß es mal wieder Abschied nehmen, Flo und Luisa fuhren in Richtung Norden und ich fuhr weiter Richtung Queenstown. Mit Flo werde ich mich in Auckland nochmal treffen, da er nur 2 Tage vor mir wieder nach Hause fliegt.

In Queenstown habe ich mich nicht lange aufgehalten, da die Stadt von Touristen überlaufen ist. Außer einem Burger bei dem berühmtesten Burgerladen Neuseelands habe ich diese mal nicht viel in der Adrenalin-Hauptstadt Neuseelands unternommen. Und ja, der Hype um Fregburger ist gerechtfertigt. Der Burger ist wirklich sehr gut. Um den Touristen-Massen ein wenig aus dem Weg zu gehen, war mein nächstes Ziel Glenorchy. Glenorchy liegt am anderen Ende des Lake Wakatipu und ist von einer wunderschönen Bergwelt umgeben. Nach meinem Helisking gehört Glenorchy definitiv zu meinen Highlights bisher. Auch hier habe ich wieder eine Wanderung unternommen. Diesmal war das Ziel ein Drehort von Herr der Ringe. Das Ziel war Isengard. Tatsächlich konnte man mit ein bisschen Fantasie den Drehort wieder erkennen.

Nach Glenorchy stand wohl das touristische Aushängeschild Neuseelands auf dem Programm, der Milford Sound! Wenn man Neuseeland bei Google sucht, ist definitiv eins der ersten Bilder der 15 km lange Fjord. Man kommt einfach nicht drum herum,  diesen Ort zu besuchen. Ich machte mich früh morgens auf den Weg, um den Bussen aus Queenstown aus dem Weg zu gehen. Aber, das Neuseeland Wetter schlug erneut zu: es regnete und regnete, trotzdem habe ich mich entschlossen, eine Bootstour zu machen, und es hat sich auch bei Regen gelohnt. Durch die Wassermassen waren mehr und größere Wasserfälle zu sehen. Das Highlight war, als das Boot  ziemlich nah an einen Wasserfall herangefahren ist, Sie nennen es die „Milford shower“. Aufgrund des Regens war ich eh schon nass, aber nach der „Dusche“ war ich dann vollkommen durch! Generell ist es einfach eine wahnsinnige Umgebung, so dass sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt hat.

Bevor es nach Stewart Island ging, habe ich auf dem Kepler Track, einem anderen Great Walk, noch eine Tageswanderung gemacht. Auf der Wanderung hatte ich einen schönen Blick auf den zweitgrößten See Neuseelands, den Lake Te Anau.

Nun hatte ich die Highlights im Westen der Südinsel alle abgeklappert, deshalb stand jetzt der Süden an. Also setzte ich morgens von Bluff über auf die größte Insel neben Nord- und Südinsel. Stewart Island kommt sehr nah an das ursprüngliche Neuseeland, bevor es entdeckt wurde. Denn auf der Insel gibt es keine Ratten, Marder oder ähnliches, deshalb ist es ein Paradies für die einheimische Flora und Fauna. Ich hatte nur eine Nacht auf der Insel, um also soviel wie möglich von der einmaligen Natur zu sehen habe ich meinen zweiten Great Walk gemacht. Der Track ist 39 km lang und eigentlich für 3 Tage Wandern gedacht. Er ist aber auch locker in 2 Tagen möglich. Am Morgen bin ich früh aufgestanden, da die Chance, einen Kiwi zu sehen, in der Dämmerung höher ist. Leider hat sich aber keiner aus dem Gebüsch getraut. Eigentlich ist der Kiwi nachtaktiv, aber plötzlich hörte ich gegen Mittag ein Rascheln im Gebüsch. Und tatsächlich, es war ein Kiwi,der mir hier über den Weg gelaufen ist, und das am hellichten Tage. Das war das absolute Highlight, den Nationalvogel in freier Wildbahn zu sehen! Alles in allem hat mir der Great Walk gut gefallen, aber der Abel Tasman Coast Track war doch noch ein bisschen schöner.

Nun sind es nur noch gut 2 Wochen, dann kommt mich schon meine Familie besuchen, wo ich mich sehr drauf freue. In den 2 Wochen davor steht jetzt noch die Ostküste mit kleinen Abstechern ins Landesinnere an. Bis demnächst.

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1 Kommentar

  1. Lieber Moritz,
    jetzt ist die Family da und Ihr geht jetzt gemeinsam auf Entdeckung.
    Möchte nun einfach mal Danke sagen, dass Du uns/mich mitgenommen hast nach Neuseeland durch Deinen Block. Ich wünsche Dir/Euch weiterhin schöne gigantische Erlebnisse und freue mich weiter auf Deine Reisebeschreibungen.
    Liebe Grüsse aus der Heimat, Drücker von Petra

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